GUSTAV-HEINEMANN-SCHULE

Kooperative Gesamtschule in Hofgeismar

Gastschülerprogramm

Brücken und Wege in Europa

Neben dem traditionellen Schüleraustausch mit Schulen aus Frankreich, England und Polen hat das Gastschülerprogramm des Pädagogischen Austauschdienstes unter der Schirmherrschaft der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland an der Gustav-Heinemann-Schule Tradition.
Dieses Sprachenprogramm wird seit etwa 20 Jahren mit wenigen Unterbrechungen an unserer Schule durchgeführt. Die Kurse zur deutschen Sprache und Landeskunde dauern jeweils drei Wochen und finden während der Sommerferien in den Partnerländern aber innerhalb des deutschen Schuljahres statt. Die Finanzierung des Aufenthalts erfolgt aus Mitteln des Auswärtigen Amtes und - je nach Partnerland - Zuschüssen der jeweiligen Heimatländer der Gäste. Die Organisation wird vor Ort von Lehrern unserer Schule übernommen, die fast ausschließlich in ihrer Freizeit Unterbringung, Sprachunterricht, Exkursionen und Feste planen und durchführen. Ohne die Unterstützung der Schulleitung, die sich stets als „Förderer“ und nicht als „Dulder“ dieses Projektes verstand sowie die Bereitschaft der Gastfamilien, einem Gastschüler „Heimat auf Zeit“ zu bieten, wäre die Arbeit über diesen Zeitraum allerdings nicht möglich gewesen.
Das Profil des Gastschülerprogramms muss als eigenständig bezeichnet werden. Anders als beim Schüleraustausch fehlt dem Gastschülerprogramm der direkte Anreiz von Besuch und Gegenbesuch, der die Schulpartnerschaften so attraktiv erscheinen läßt. Auf der anderen Seite entfallen für die gastgebenden Familien aber auch weitergehende Verpflichtungen. Außerdem sind die Teilnehmer dieser Sprachkurse in der Regel nicht in den Ländern zu Hause, die vom Schüleraustausch erfasst werden. An der Gustav-Heinemann-Schule sind bisher Gastschülergruppen überwiegend aus Norwegen aber auch aus Irland, Schweden, Dänemark, Ungarn und Rumänien mit ihren Begleitlehrer(inne)n zu Gast gewesen.
Der Sprachunterricht an der Schule hat - anders als der Fremdsprachenunterricht in den Heimatländern der Gastschüler - nicht so sehr die grammatikalische Richtigkeit sondern das Sprachvermögen, den Umgang mit der Sprache in Mitteilung, Diskussion, Simulation und Rollenspiel zum Ziel, wobei die Thematik einen weiten Bereich umfasst. Eine Einbindung in den Schulalltag mit den vielfältigen Kontakten und Möglichkeiten des Lernens wird immer wieder angestrebt.
Entscheidend ist die enge Verzahnung des Sprachunterrichts in der Schule mit dem Erlernen der deutschen Sprache im Alltag. Die Unterbringung in Familien mit nach Möglichkeit etwa gleichaltrigen Kindern dient in hohem Maße diesem Ziel. Sprachliches Imitiationslernen, das in der Schule schon aus zeitlichen Gründen kaum möglich ist, hat in der Familie als intensivstem Ort sprachlicher, sozialer und kultureller Erfahrungsfelder seinen Platz. Das Erleben alltäglicher Situationen sowie das Beziehungsgefüge innerhalb und im Umfeld der Gastfamilien führt zum Abbau von Vorurteilen und hilft zu einer Gesamtsicht des täglichen Lebens im heutigen Deutschland.
Die Exkursionen haben überwiegend landeskundlichen Charakter, dienen aber auch der sportlichen Betätigung. Sie sollen Einblicke in das politische und soziale Leben in unserem Land bieten und das Verständnis für Kultur und Tradition fördern.
Wenn unsere Schule praktisch keine Vorteile sondern eher Einschränkungen des normalen Schulbetriebs durch dieses Gastschülerprogramm erfährt, erhebt sich die Frage nach dem, was bleibt: Neue Kochrezepte, Erinnerungen an turbulente Zeiten aber vor allem Verständnis füreinander, oft Korrespondenz, Gegenbesuche, manchmal bleibende Freundschaften, aber auf jeden Fall eine Menge unvergesslicher Erfahrungen.

 

Gelesen 5835 mal Letzte Änderung am Samstag, 02 November 2013 11:12